„Fast 70 Prozent planen eine berufliche Veränderung, nur drei Prozent meinen, die Politik habe die Lage in der Pflege verstanden“ – so lauten einige Ergebnisse der Studie „Altenpflege im Fokus“, durchgeführt vom Fachmedienhaus Vincentz Network und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Welche zukunftsfähigen Forderungen an die Politik daraus folgen, erläuterten DBfK und Vincentz Network in einer Online-Pressekonferenz am 13. Januar 2022.

(Hannover/Vincentz Network) Eine starke Stimme aus der Mitte der Pflege: Mit rund 700 Teilnehmenden offenbart „Altenpflege im Fokus ein detailliertes Stimmungsbild der stationären Altenpflege. Die Studie spiegelt die Folgen des Fachkräftemangels und den Stand der Digitalisierung wider, zeigt Chancen für die Zukunft und unterstreicht Forderungen an die Politik. Kurz: Alle Probleme liegen auf dem Tisch. Verstärkt werden sie noch durch die Pandemie, den demografischen Wandel und den steigenden Fachkräftemangel. Experten haben errechnet, dass rund 500.000 Pflegekräfte bis 2030 fehlen werden.

Hohe Motivation für Fort- und Weiterbildungen
Was jetzt passieren muss und was Mut macht, das präsentierten der führende Fachverlag in der Altenpflege, Vincentz Network, und der DBfK als größter deutscher Berufsverband in der Pflege. Der Wille der Pflegenden, sich zu entwickeln ist da – auch das zeigt die Studie deutlich. Jetzt fordert der Verband von der Politik die Rahmenbedingungen dafür ein. Ziele: Die Pflege zu stärken, langfristig auf ein sicheres Fundament zu stellen und einen Sog-Effekt auszulösen, den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen.

Exklusiv in der Online-Pressekonferenz stellten Miriam von Bardeleben, Chefredakteurin der Fachmagazine Altenpflege und Aktivieren, die Ergebnisse der Studie im Detail vor. Die Forderungen an die Politik und Lösungsansätze für eine zukunftsfähige stationäre Altenpflege erläuterten Dr. Bernadette Klapper, Geschäftsführerin DBfK sowie Pflegewissenschaftler Prof. Hermann Brandenburg, Vincenz Palotti University in Vallendar bei Koblenz.

„Die Studie stellt der Gesundheits- und Pflegepolitik der letzten dreieinhalb Jahre kein gutes Zeugnis aus. Die überwältigende Mehrheit der Antwortenden – 96 Prozent! – glaubt nicht, dass ‚die Politik‘ die Lage verstanden hat und zuverlässig bemüht ist, sie zu verbessern“, betonte Miriam von Bardeleben. „Wo in der Altenpflege aktuell die größten Schmerzen liegen, und worauf sich ihre Wünsche und Hoffnungen richten, gehört ganz oben auf die Agenda der neuen Bundesregierung und ist mindestens als eindringlicher Appell der Pflegefachpersonen nach Berlin zu verstehen. Nie war die Chance größer als jetzt, mit mutigen und wirksamen Maßnahmen Pflegekräfte und Pflegemanagement in der Altenpflege zu binden und nachhaltig zu stärken!“

Angemessene Bezahlung, Qualifizierung und eine Vereinheitlichung der Pflegeassistenzausbildungen
Dr. Bernadette Klapper erläuterte: „Wir sehen deutlich, dass die Kolleg:innen ihrem fachlichen Anspruch gerecht werden wollen. 58 Prozent sprechen sich für Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten aus und erwarten, dass die Digitalisierung schneller vorankommt. Das zeigt das große Potenzial, das in der Langzeitpflege vorhanden ist und das sich bei richtigen Rahmenbedingungen voll entfalten könnte. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die langjährigen Forderungen des DBfK. Die Personalausstattung muss dringend besser werden, um die Kolleg:innen im Beruf halten zu können. Hier muss die neue Bundesregierung schnell handeln, um der Ernüchterung und Enttäuschung etwas entgegenzusetzen. Wir brauchen deshalb mehr Tempo und vor allem Verbindlichkeit bei der Umsetzung des Personalbemessungsverfahrens.“ Die Forderungen des DBfK formulierte sie wie folgt:

  • Die Gehälter angemessen anheben
  • Eine zügige Umsetzung der Personalbemessung
  • Eine finanziell angemessen ausgestattete Pflegeversicherung, um das Ausspielen der Interessen von Pflegepersonen und Bewohnern von Senioreneinrichtungen zu beenden
  • Kompetenz und Qualifizierung – Kompetenzzuerkennnung für die Pflegefachpersonen und massive Investitionen in die Berufsgruppe
  • Umfassendes Qualifizierungskonzept für eine gute Pflegeassistenzausbildung. Ziel: Ein Konzept für alle Bundesländer statt des aktuellen Wildwuchses
  • Eine hochschulische Ausbildung

 

Die Altenpflege muss Zentrum gesellschaftlicher Innovationen werden
Auch Prof. Hermann Brandenburg forderte eine zukunftsfähige Perspektive: „Die Altenpflege in Deutschland hat keine Vision. Vor allem die Heime stehen vor großen Herausforderungen. Es muss gelingen, aus dem technizistischen Klein-Klein herauszukommen und eine theoretische und praktisch umsetzbare Perspektive zu entwickeln. Lehrpflegeheime, die wir im Ausland bereits kennen, könnten ein Weg sein.“ Seine wichtigsten Punkte sind:

  • Wie können wir den gemeinwohlorientierten Aspekt der Langzeitpflege stärken? Ich bin skeptisch ablehnend gegenüber der Profitorientierung in diesem Bereich. Dieser muss dem Gemeinwohl wieder überantwortet werden
  • Innovationen durch deutlich mehr Kooperationen zwischen Hochschulen und Praxis, bekannt aus vielen anderen Ländern. Die Altenpflege muss zum Zentrum gesellschaftlicher Innovationen werden!
  • Die Quartiersentwicklung – die Menschen wollen Leben in der Gemeinschaft leben. Die Einrichtungen sollten zum Mittelpunkt im Quartier werden
  • Das Regulierungsregime zurückfahren – die Autonomie in den Einrichtungen sollte gestärkt werden
  • Eine Akademisierung der Altenpflege
  • Eine Vision: In der Altenpflege haben wir es mit Alter, Demenz und Vulnerabilität zu tun. Diesen Themen steht die Politik ambivalent und ohne Vision gegenüber. Wir brauchen eine positive Erzählung für ein gutes Leben in stationären Einrichtungen!

 

 

Bildunterschrift: Ihre Forderungen und Lösungsansätze für die Altenpflege formulierten (v .l.): Pflegewissenschaftler Prof. Hermann Brandenburg, Dr. Bernadette Klapper, Geschäftsführerin DBfK, und Miriam von Bardeleben, Chefredakteurin der Fachmagazine Altenpflege und Aktivieren. Fotos: VPU, DBfK, Vincentz Network

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